Der secessionistische Gartenteil des Volksgartens

Dieser Teil des Volksgartens kam als letzter zu der Gartenanlage.

Erst nach Beendigung der Schleifung der Stadtbefestigung in diesem Bereich und der Einebnung der Fläche kam dieser Teil zum Volksgarten hinzu.

Dieser Garten entstand zwischen 1904 und 1907 als secessionistischer Garten. Als zentrales Element gilt das Kaiserin-Elisabeth-Denkmal von Hans Bitterlich.

Die gartenarchitektonische Ausgestaltung der Gartenanlage stammt aus der Zusammenarbeit zwischen Friedrich Ohmann und Joseph Vesely.

Ohmann hatte die grundsätzliche Planung (vor allem vor dem Denkmal) übernommen. Vesely orientierte sich an Ohmanns Plangrundlage, allerdings veränderte er die Pflanzplanung nach seinem Geschmack.

Er verbindet mit der Pflanzenauswahl architektonische Formelemente mit Blumenmotiven, die er mit Hilfe von Farbigkeit und Beetformen ausbaut. Auf diese Weise nutzt er die Natur als architektonisches Gestaltungsmittel und hebt so die Grenze zwischen Pflanze und Architektur auf.

In Österreich wird diese Form des Gartens dem Secessionsmus zugeordnet. Diese Gartenform wird vor allem dem Jugendstil, aber auch dem Reformgarten zugeschrieben, der wiederum in Deutschland auf Herrmann Muthesius zurückzuführen ist.

Der Reformgarten setzte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts bis ins 20. Jahrhundert als neue Gartenform durch und orientierte sich an englischen Blumen- und Naturgärten. Trotz ihrer starren Grundformen folgen sie neuen Gestaltungsmustern.

Den Jugendstil ist vor allem in den architektonischen Elementen zu erkennen, wie den Wasserbecken, Fontänenbecken, Brunnen, Figuren und Säulenelementen.

Die Lustgärten der Wiener Hofburg

Lustgarten Hofburg Wien Oberer und Unterer Lustgarten
Oberer und Unterer Lustgarten

Sind Sie schon einmal durch die Wiener Hofburg spaziert und haben sich gefragt, warum es keine Gärten gibt? Was jedoch viele nicht wissen: über längere Zeit gab es mehrere Lustgärten in der Wiener Hofburg!

Abgesehen von Volksgarten, Burggarten und Heldenplatz, die alle aus den ersten zwanzig Jahren des 19. Jahrhunderts stammen, gibt es heute keinen Hofburggarten mehr.

Dieser fehlende Lustgarten hat mich interessiert! Denn die Geschichte der Hofburg ist auch eng mit der Geschichte der Gartenkunst im Hofburgkomplex verbunden.

Es gab auf dem Gebiet des heutigen Heldenplatz (bis 1955 hieß dieser Platz auch Paradeplatz oder Äußerer Burgplatz bezeichnet) bereits vor hunderten von Jahren den sogenannten Baumgarten der Königin. Dort gab es eine der frühesten Zuchtstätten für Zitrusbäume im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen gab.

Diese Gartenanlage war jedoch nicht die einzige wichtige Gartenanlage in diesem Bereich, sondern auch den Oberen und Unteren Lustgarten.

Der Obere Lustgarten wurde auf einem terrassenartigen Bauwerk, einem Altan, angelegt, der Untere Lustgarten verfügte über eine Gestaltung eines Gartens, wie er im Mittelalter angelegt wurde und bestand aus mehreren Teilflächen.

Dazu gehörte der Fürstengarten mit Fischteich (auf dem Gebiet des heutigen Josephsplatz) und ein Herzogingarten zwischen Oberem Lustgarten und dem Schweizertrakt. Außerdem gab es einen baumbestandenen Tiergarten im Burggraben, zu dem auch die Gartenteile Altes, Neues und Schönes Paradeis gehörten.

Diese Paradeise hatten allerdings nichts mit dem Paradeisgartel aus dem 18. Jahrhunderts auf der Stadtmauer zutun. Letzterer verschwand mit dem ABriss der Ringstraßenmauer, nachdem er in den Volksgarten integriert wurde.

Leider sind Detailsbeschreibungen der Gärten heute nicht mehr erhalten. Auf den Bildern sehen Sie das terrassenfrömige Gebäude mit dem Oberen sowie einem Teil der Unteren Lustgartens. Darunter die Schweizerburg.

Am Ende dieses terrassenförmigen Baus gab es einen kleinen Turm mit einer Schneckenstiege, die die Gärten miteinander verband. Terrasse, Gärten und Schneckenstiege sind heute alle verloren gegangen. Im 18. Jahrhundert mussten sie dem Bau der Winterreitschule weichen. Auf dem Gelände des heutigen Josephsplatz entstand zwischenzeitlich der Rosstummelplatz.

Die Grundrisse dieses Terrassenbaus sieht man noch heute in den Ausgrabungen am Michaelerplatz!


Schneckenstiege Hofburg Oberer und unterer Lustgarten
Hofburg Schneckenstiege Lustgarten

ÖAW, Sammlung Woldan, G-III: OE/Vie 76 (2)
https://viewer.acdh.oeaw.ac.at/viewer/image/AC15036905/1/LOG_0000/
Bild 2:
Moriz Dreger: Baugeschichte der k. k. Hofburg in Wien bis zum 19. Jahrhundert. Abb. 120
https://diglib.tugraz.at/download.php?id=53fb09d800645&location=browse